Was versteht man unter der Beweissicherung beim Bau?

Bleibende Schäden auf der Zufahrtsstraße. Neu entstandene Risse im Mauerwerk des Nachbarhauses. Ungeklärte Mängel im fertiggestellten Bauobjekt. Nicht selten kommt es bei Bauvorhaben aufgrund solcher und weiterer Aspekte zu Streitigkeiten, die ein juristisches Nachspiel haben. Dabei kann sich der Streitfall sowohl zwischen Bauherren und beauftragten Firmen als auch zwischen Bauherren, beauftragten Firmen und Dritten abspielen.

In derartigen gerichtlichen Fällen behalten jedoch zumeist jene Parteien die Oberhand, die den Sachverhalt prozessual beweisen können. Üblicherweise ist in Deutschland für eine solche Beweisführung eine bautechnische Beweissicherung gemäß DIN 4123 – oder einfacher gesagt: ein Beweissicherungsverfahren – unablässig. Doch was zeichnet das Beweissicherungsverfahren in baulichen Kontexten aus? In welchen Situationen sollte es durchgeführt werden? Und inwiefern können Bauherren, Bauunternehmen und Anwohner von einem Beweissicherungsverfahren profitieren? Diese und weitere Fragen wird der folgende Beitrag näher beleuchten.

Das Beweissicherungsverfahren – Eine kurze Definition

Generell lässt sich das Beweissicherungsverfahren als die Untersuchung und Dokumentation des aktuellen Zustandes aller Gebäude, technischer Anlagen, Baudenkmäler und Straßen beschreiben, die sich im Einwirkungsbereich eines Bauvorhabens befinden. Entscheidend ist also, dass das Beweissicherungsverfahren neben der Begutachtung des eigentlichen Baugeländes ebenso alle entsprechenden Zufahrtswege und den Zustand der umgebenden Gebäude samt ihrer Nebenanlagen – wie etwa Gärten, Parkplätze und Gehwege – dokumentiert. Im Sinne einer neutralen Bewertung hat der Sachverständige des Beweissicherungsverfahrens hierbei alle relevanten negativen und positiven Befunde zu vermerken. Ziel der umfassenden Begutachtung ist es, die Entstehung von Schäden zu einem späteren Zeitpunkt einwandfrei belegen und nachverfolgen zu können. Aus diesem Grund kommt während des Beweissicherungsverfahrens eine Anzahl unterschiedlicher Dokumentationsmedien zum Einsatz, die sich üblicherweise von Protokollen und Bewertungstexten bis hin zu fotografischen Aufnahmen erstrecken.

In welchen Situationen ist ein Beweissicherungsverfahren sinnvoll?

Grundsätzlich sollte ein Beweissicherungsverfahren immer dann eingeleitet werden, wenn das absehbare Risiko besteht, dass ein Bauprozess zu unerwünschten Veränderungen an relevanten Objekten und ihrer Umgebung führen könnte. Abhängig von der Rolle des Auftraggebers innerhalb des Bauprozesses kann ein Beweissicherungsverfahren dabei unterschiedliche Funktionen erfüllen.

So bietet es Bauherren vor Beginn eines Bauvorhabens etwa die Möglichkeit, den Ist-Zustand des Baugeländes sowie seiner Umgebung lückenlos zu dokumentieren und auf diese Weise effektiv unberechtigten Schadensansprüchen von Bewohnern zu einem späteren Zeitpunkt vorzubeugen. Ein Beweissicherungsverfahren während oder nach dem Bauprozess kann zudem juristisch verwertbare Hinweise hinsichtlich der Verantwortlichkeit von unzureichenden Bauleistungen und vorhandenen Baumängeln liefern.

Als beauftragtes Bauunternehmen lohnt sich ein Beweissicherungsverfahren hingegen vor allem in Situationen, in denen ohne eigenes Zutun ein vorhandener Mangel an der Bausubstanz festgestellt wird. Denn sollte der Mangel in einem solchen Fall einfach ausgebessert oder überarbeitet werden, kann er dem beauftragten Bauunternehmen zu einem späteren Zeitpunkt zur Last gelegt werden. Für Bauunternehmen entsteht darüber hinaus immer dann ein erhöhtes Risiko, wenn der Einsatz von schwerem technischem Gerät oder die Durchführung von tiefgreifenden Baumaßnahmen möglicherweise umliegende Objekte beeinträchtigt.

Ist man als Anwohner von einem benachbarten Bauvorhaben betroffen, so kann dies unter Umständen zu weitreichenden Schäden an der Substanz der eigenen Immobilie führen. Denn nicht selten wirken sich Baumaßnahmen in Form von anhaltenden Erschütterungen oder destabilisierenden Bodeneingriffen beeinträchtigend auf die umliegenden Gebäude aus. Regelmäßig bieten spezialisierte Sachverständige – wie etwa das bayernweit tätige Ingenieurbüro Ziegler – deshalb nicht nur Beweissicherungsverfahren für Bauherren und Bauunternehmen, sondern ebenso für Drittparteien an.

Die Vorteile eines Beweissicherungsverfahrens

Prinzipiell findet sich ein klarer Vorteil des Beweissicherungsverfahrens in seiner Bedeutung für juristische Auseinandersetzungen. So kann die Dokumentation eines privaten Beweissicherungsverfahrens etwa bei Rechtsstreitigkeiten von einzelnen Parteien zur Klärung der Beweislage unter Einbezug eines sachverständigen Zeugens genutzt werden. Bei einem selbstständigen Beweissicherungsverfahren wird hingegen ein vereidigter Sachverständiger direkt vom Gericht mit der Erstellung eines unabhängigen Gutachtens beauftragt.

Aber auch abseits konkreter gerichtlicher Prozesse kommt dem Beweissicherungsverfahren eine wichtige Rolle zu. Denn oftmals hilft die Dokumentation eines Beweissicherungsverfahrens dabei, eine klare Darstellung der Sachlage zu vermitteln und damit bereits im Vorfeld eine einvernehmliche Lösung zwischen streitenden Parteien zu erreichen. Da bei der Durchführung eines Beweissicherungsverfahrens in der Regel zudem alle Beteiligten gleichermaßen berücksichtigt werden, stärkt es zugleich das gegenseitige Vertrauen und den Willen zur Kooperation während des Bauverlaufes. Insofern zeigt sich ein Beweissicherungsverfahren nicht zuletzt als sinnvolle Präventionsmaßnahme, mit der sich langwierigen juristischen Auseinandersetzungen erfolgreich vorbeugen lässt.

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