Was eine gute Baustatik leisten muss

Eine gute Baustatik ist für die Standsicherheit von Gebäuden unverzichtbar. Geht es um den Neubau von Gebäuden, müssen die Berechnungen des Statikers (Tragwerksplaners) zusammen mit dem Bauantrag abgegeben werden (es gibt Ausnahmen, diese werden in einem weiteren Beitrag genauer erläutert).

Was versteht man unter Baustatik?

Der Fachbegriff Statik ist dem Griechischen entlehnt und wird mit “zum Stillstand bringen” übersetzt. Er wird in verschiedenen Fachdisziplinen verwendet. Das Bauingenieurwesen ist eine von ihnen.

Statik im Bereich des Hausbaus (Baustatik) bezeichnet die bautechnische Anforderung, das Tragwerk des zu errichtenden Gebäudes sicher zu konstruieren, zu bauen oder umzubauen. Es besteht aus tragenden Wänden, Bodenplatte, Decken, dem Dachstuhl und weiteren tragenden Teilen.

Um die Statik eines Gebäudes festzustellen, ermittelt der Baustatiker den Kräfte- und Verformungszustand des betreffenden Hauses mithilfe rechnerischer und grafischer Verfahren. Um in der Baustatik das sicherheitstechnisch notwendige Gleichgewicht herzustellen, muss es neben einer aktiven angreifenden Kraft eine in die entgegengesetzte Richtung wirkende passive Kraft geben.

Entsprechen das Tragwerk und die Bauteile in ihren Abmaßen diesem Gleichgewicht, hält es später unterschiedlichen Lasten und Kräfteeinwirkungen mühelos stand. Diese bestehen entweder dauerhaft wie das Eigengewicht des Hauses oder sind Veränderungen wie Schnee- und Windlasten unterworfen.

Die baustatische Berechnung ist bei Neubauten Bestandteil des Bauantrags. Anschließend beauftragen die Baubehörden noch einen Prüfstatiker, der die Berechnungen kontrolliert.

Wann und bei welchen Gebäuden ist Baustatik gefragt?

Die Baustatik benötigt man, wenn ein neues Gebäude geplant ist oder an einem bereits vorhandenen bauliche Veränderungen durchgeführt werden müssen. Das können sogar vergleichsweise unbedeutende Handlungen wie das Platzieren eines neuen Kaminofens auf einer Holzbalkendecke sein.

Denn auch dies kann die Statik des Hauses verändern und schwerwiegende Folgen für die Sicherheit der darin lebenden Bewohner haben. Wände, die im Rohbau als nicht tragend eingezogen werden, können infolge von Setzungsprozessen zu tragenden geworden sein. Weiß der Bauherr dies nicht und lässt er sie später herausreißen, bilden sich oft Risse.

Ist der Neubau eines Gebäudes geplant, beauftragt der Bauherr den Architekten mit seiner Planung. Beim Bau und bei der Sanierung von kleineren Einfamilienhäusern bis 150 qm Bruttogrundfläche erfolgt eine Vordimensionierung der Bauteile oft schon durch den Bauingenieur.

Diese muss anschließend nicht mehr vom Statiker überprüft werden, wenn der Bauingenieur beziehungsweise Architekt über entsprechende Kenntnisse verfügt. Bauexperten empfehlen, den Baustatiker grundsätzlich von Anfang an in die Bauplanung einzubinden.

Dies geschieht bei Umbauten vielerorts nicht: Architekten schätzen die Standsicherheit des Hauses oft selbst ein und unterlassen es, einen Statiker hinzuziehen, obwohl dieser gemäß Landesbauordnungen für die Erstellung des Standsicherheitsnachweises zuständig ist.

Die Baustatik ist übrigens auch dann gefordert, wenn die vom Gesetzgeber geforderten Wärme-, Brand- und Schallschutzwerte rechnerisch kontrolliert werden müssen. Beim Bau und Umbau von Mehrfamilienhäusern und Großprojekten ist die Beauftragung eines zusätzlichen, unabhängigen Prüfstatikers zwingend erforderlich.

Er überprüft die Richtigkeit des Standsicherheitsnachweises. Grund ist das vom Gesetzgeber vorgeschriebene Vier-Augen-Prinzip, das Bauschäden bereits im Vorfeld deutlich minimiert. Es kommt bei Häusern der Gebäudeklassen vier und fünf und bei Sonderbauten wie Brücken zum Einsatz.

Warum ist eine gute Statik beim Bau essenziell?

Eine gute Baustatik ist unverzichtbar, weil sie die Standsicherheit des Gebäudes garantiert. Nur wenn die Bauteile tragfähig genug sind, kann der Bauherr mit seiner Familie sicher darin leben.

Ist eine Sanierungsmaßnahme geplant, werden Veränderungen am Hausgrundriss und der Fassade sowie Umbauten und Erweiterungen des Dachgeschosses so berechnet, dass die Baustatik nach abgeschlossener Sanierung weiterhin stimmt.

Dafür ist zuvor ein Vor-Ort-Termin mit dem Architekten notwendig, bei dem der Bestand vermessen wird. Die ermittelten Werte lassen Rückschlüsse auf die zu ergreifenden Sanierungsmaßnahmen zu.

Sind die Bauteile durch eine Beschädigung oder eine zu schwache Dimensionierung nicht ausreichend tragfähig, müssen sie ausgetauscht oder statisch verstärkt werden. Ist die Tragfähigkeit nach der Haussanierung höchstwahrscheinlich gegeben, muss der Baustatiker dies mithilfe einer Nachberechnung belegen.

Wer ist für die Statik verantwortlich?

Für die Berechnung der Tragwerkskonstruktion ist der Statiker verantwortlich. Er nutzt für seine Arbeit die Baubeschreibung des Architekten und Bauzeichnungen. Mit deren Hilfe legt er die erforderlichen Werkstoffe, ihre Festigkeit und den Querschnitt tragender Bauteile fest.

Baustatiker berechnen bespielsweise, wie groß der Querschnitt der hölzernen Dachpfette sein muss und welche Stärke Decken und Wände des Gebäudes haben müssen. Außerdem legen sie fest, wie viel Bewehrungsstahl in die Bodenplatte eingelassen werden muss, damit das Haus später nicht zusammenfällt.

Der Baustatiker haftet nur für seine eigenen Berechnungen, nicht jedoch für Fehler in der Bauausführung.

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